Industriemuseum Herrenwyk

Eine alte Stahlwerft in Lübeck

Von Kaufleuten zu Fabrikbesitzern: Die neue Dauerausstellung ist eröffnet.

Der Kassenbereich im Industriemuseum
Die neue Dauerausstellung im Industriemuseum Herrenwyk
Dr. Bettina Braunmüller, Museumsdirektorin und Kuratorin der neuen Dauerausstellung
Werkzeuge zum Staunen
Arbeit am Hochofenwerk: Besucher können sich dazu jetzt auch ein Video ansehen.
Von den Anfängen der Industrialisierung bis heute: Im Industriemuseum Herrenwyk gibt es viel zu entdecken.
Die neue Sonderausstellung zum Wirtschaftsthema "Zukunft ohne Wachstum?"

Seit dem 15. September 2025 wird die vierzig Jahre alte Dauerausstellung im Industriemuseum Herrenwyk grundlegend überarbeitet und neu gestaltet.  Das Areal war seither für Besucher nicht zugänglich. Nun ist es wieder soweit: Seit Freitag, 28. November, ist im Industriemuseum Herrenwyk der erste Teil der neuen Dauerausstellung mit dem Titel „Von Kaufleuten zu Fabrikbesitzern“ zu sehen. 2026 und 2027 sollen weitere Umgestaltungsabschnitte folgen. Überarbeitet wurde bislang etwa die Hälfte des Museums, hauptsächlich der thematische Bereich „Arbeit am Hochofenwerk“. Dieser wurde um neue Aspekte ergänzt, wie beispielsweise die Darstellung des Museumsgebäudes in seiner ursprünglichen Funktion als altes Werkskaufhaus. Neu dazu kam das umfangreiche Modul zum Thema „Industrialisierung in Lübeck“. 

Der Zeitpunkt der Eröffnung könnte nicht besser sein, steht doch ein Großteil der ehemaligen Arbeitersiedlung Herrenwyk wie auch das Museumsgebäude selbst seit Sommer 2025 unter Denkmalschutz. Die Werkssiedlung, die im norddeutschen Raum einmalig ist, ist ebenfalls einen Besuch wert. „In Lübeck setzt die Industrialisierung spät ein, viel später als in anderen Regionen Deutschlands, weil man sich lange noch als Handelsstadt verstand“, sagt Dr. Bettina Braunmüller, Museumsdirektorin und Kuratorin der Ausstellung. „Aber sobald die Industrialisierung in Lübeck einsetzt, tut sie dies schnell und mit einer enormen Bandbreite an Branchen. Die Anfänge bilden die Lebensmittel- und Konservenindustrie sowie die Emailleproduktion wie zum Beispiel Erasmi und Carstens oder Carl Thiel & Söhne und Tremser Eisenwerke. Schnell kommen Maschinenbaubetriebe wie LMG und Schiffswerften wie Henry Koch hinzu bis hin zu unseren heutigen großen Playern in Lübecks Industrie wie Baader, Brüggen oder Dräger.“

Mit der laufenden Sonderausstellung „Zukunft ohne Wachstum?“ stellen die Museumsverantwortlichen zudem eine grundlegende Frage an Industrie und Wirtschaft: Ist Wirtschaftswachstum wirklich alles? Damit wird das Industriemuseum zu einem Ort, der nicht nur an die alte Lübecker Industriegeschichte erinnert, sondern auch in die Zukunft blickt. Dr. Bettina Braunmüller erklärt dazu: „Mir ist es wichtig, dass wir als Museum nicht nur in die Vergangenheit blicken, sondern auch versuchen, einen Blick in die Zukunft zu werfen. In Hinblick auf KI und Klimawandel sowie globale Krisen ist die wirtschaftliche Entwicklung kein Selbstläufer mehr, sondern muss gesellschaftlich und global neu verhandelt werden.“ Die aktuelle Sonderausstellung setzt sich kritisch mit Überlegungen von Politik, Journalismus, Philosophie und Ökonomie auseinander und läuft noch bis zum 29. März 2026.

Rückblick: Stahlschiffbau in Lübeck

Hellinge, Werftkrane, Docks – Schiffbau im 20. Jahrhundert.

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Save the date: Ab dem 18. April 2026 zeigt das Museum alles über die Technik der Trave-Taucher.